CUCULA – DAS FUNDSTÜCK DER WOCHE

„Der Mensch ist einziger und souveräner Meister seines Schicksals, wenn er es nur sein will.“ Dieser Satz von Simone de Beauvoir, Grande Dame der emanzipatorischen Bewegung in der Nachkriegszeit und eine der treibenden Kräfte des Existenzialismus, ist Schlüsselsatz vieler Menschen, die sich reflektiert mit ihrem Leben und Handeln auseinandersetzen.

Das die Möglichkeit, sein Leben selbst zu bestimmen und in die Hand zu nehmen nicht für alle Bewohner dieses Planeten gleichermaßen gilt, ist traurige Wirklichkeit.
Während wir uns mit „First-World-Problems“ herumschlagen und manchmal schon die Krise bekommen, weil der Lieblingsasiate nicht zu uns nach Hause liefert, gibt es Menschen jenseits der europäischen Grenzen, deren Not so groß ist, dass sie ihre Heimat und geliebten Menschen für immer verlassen – alles auf der Suche nach ein wenig Sicherheit.

Sie kommen nun in ein Land, das ihnen fremd ist, das ihnen anscheinend nicht helfen möchte und in dem sie, wenn nicht sogar offenem Rassismus und Gewalttätigkeiten, so doch zumindest einem Behördenwahnsinn begegnen, der seinesgleichen sucht.
Diesen Menschen, die händeringend auf eine Chance warten, ihr Leben aktiv zu gestalten und so ihren Teil zur Gesellschaft beizutragen, helfen Diskussionen nur wenig, hier besteht akuter Handlungsbedarf.

 

Cucula 1

Das Modellprojekt CUCULA aus Berlin hat das erkannt, und setzt darauf, die pragmatische und unmittelbare Praxis des Handelns zu erproben und zusammen mit Flüchtlingen eine Zukunft zu erschaffen, die dem Einzelnen ermöglicht, wieder Meister seines Schicksals zu werden.
CUCULA versteht sich als Unternehmen von und für Flüchtlinge.
Angefangen hat alles im Winter 2013, als das Internationale JugendKunst- und Kulturhaus „Schlesiche27“ sich entschloss, ob der Zuspitzung der Flüchtlingssituation, ein „Kälteobdach“ einzurichten.

Dort trafen Malik, Moussa, Saidou und Ali auf den Produktdesigner Sebastian Deschle und bauten gemeinsam mit ihm erste Möbel, um ihre Zimmer einzurichten. Wie so oft wurde klar, der Wille und der persönliche Einsatz sind vorhanden, es gibt für diese Männer ohne legalen Aufenthalt und ohne Arbeitserlaubnis jedoch keine Möglichkeiten, dies zu beweisen und sich die Grundlagen einer Existenz selbst zu schaffen.
Als Modellprojekt möchte CUCULA Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen bieten, für die sonst alle Türen verschlossen bleiben und sie so aus der Rolle des „Opfers“ lösen.

 

Cucula 2

Mit Herz und Sachverstand wird dieses Vorhaben nun in die Realität umgesetzt.
Erste Grundlage hierfür sind die 19 Möbelentwürfe, die der italienische Designer Enzo Mari 1974 in seinem Buch „Autoprogettazione?“ veröffentlichte. Gedacht als Demokratisierung des Designs, ermöglichen die Pläne des italienischen Masterminds, über Sprachbarrieren hinweg, mit einfachsten Werkzeugen, qualitativ hochwertige, langlebige und schöne Möbel herzustellen.

Die Werkstücke der CUCULA Teilnehmer aus Kiefernholz sind handgefertigt und handsigniert und können in verschiedenen Ausführungen und Materialien auf der Website bestellt werden. „Die Botschafter“, eine Möbelserie in limitierter Auflage, in die Holzelemente aus gestrandeten Flüchtlingsschiffen eingearbeitet wurden, ist wunderschön und „leider“ schon komplett ausverkauft.

 

Cucula 3

Gestrandet bedeutet in diesem Fall, gesunken, und gesunken bedeutet in diesem Fall, da sind Menschen gestorben.
Menschen die lieben, Menschen die weinen, Menschen die hoffen – Menschen wie Du und ich.
So wie jeder Meister seines eigenen Schicksals sein sollte, so sind wir auch dafür verantwortlich, wie diese Welt aussieht.
Jeder Einzelne ist dazu aufgerufen, die Welt mitzugestalten und zu einem besseren Ort zu machen.
CUCULA hat das verstanden und beweist, dass konkrete Lösungen und pragmatisches Handeln möglich sind.

 

 

alle Bilder sind von der Cucula Website und entweder von Verena Brüning oder Fotosally